Utopische Entsorgungsvorschläge

Es gibt eine Reihe unkonventioneller Vorschläge, wie sich Atommüll aus der menschlichen Umwelt entfernen ließe. Sie alle bergen jedoch ihre eigenen Gefahren und scheinen leider nicht realisierbar.

Per Rakete ins Weltall

Wenn man Atommüll mit Raketen sicher aus der Erdumlaufbahn und vielleicht in die Sonne schießen könnte, wäre man das Problem endgültig los. Man bräuchte hierfür allerdings eine große Anzahl an Raketenstarts, die etwa täglich den neu produzierten Atommüll ins All brächten. Dies würde nicht nur enorme Kosten verursachen, die ein Vielfaches des Stromerzeugungspreises ausmachten. Bei einem Unfall – und Raketenstarts gehen immer wieder mal schief – wäre mit einer Verseuchung zu rechnen, die einem schweren Reaktorunfall entspräche. Diese Entsorgungsart ist sowohl extrem teuer als auch unsicher.

Verklappen in Tiefseegräben

Es gab früher den Plan, Atommüll in Tiefseegräben zu verklappen. Nachdem einige Kernenergie betreibende Nationen über Jahre Atommüll einfach auf See verklappt hatten – wo sich die Fässer im Salzwasser schneller als gedacht auflösten -, dachte man, es wäre besser, den Müll wenigstens in Tiefenwasser zu bringen. Irgendwann lösen sich die Behälter ohnehin auf. In größerer Tiefe sollte der Austausch des kontaminierten Wassers geringer sein und die Radioaktivität auf dem Meeresboden verbleiben. Neuere Forschungen haben dies mittlerweile widerlegt. Das Tiefenwasser tauscht sich mit dem Oberflächenwasser in einigen Hundert Jahren aus. Bringt man größere Mengen Atommüll in die Tiefsee, so ist mit einer großflächigen Kontamination der Meere in den nächsten tausend Jahren zu erwarten.

Einschmelzen in Antarktis

Atommüllbehälter entwickeln Wärme. Man könnte sie also auch einfach in den antarktischen Eisschild einschmelzen lassen. Dort würden die Behälter dann mit der Eisdrift wandern und vielleicht mehrere Zehntausend Jahre oder länger in der Tiefe eingeschmolzen bleiben. Das Problem hierbei ist nicht nur der völkerrechtliche Status der Antarktis, der die Verwendung als Mülldeponie ausschließt. Es ist auch nicht bekannt, ob Wärme entwickelnde Körper wie Atommüllbehälter deutlich schneller wandern oder wie stark Klimaveränderungen die Eisdrift verändern. Es könnte also passieren, dass sich in weniger als 100.000 Jahren ein großer Teil des Atommülls in den Küstenregionen der Antarktis ansammelt und dort die Gewässer kontaminiert.

Weltraumlift

Anstelle von Raketen könnte ein Weltraumlift, wenn er einst erfunden werden sollte, den Müll ins All bringen. Dies könnte erheblicher sicherer und billiger sein als die Raketenvariante. Noch ist dieser Vorschlag utopische Zukunftsmusik. Er könnte sich eines Tages auf einer erheblich höheren Technologiestufe als derjenigen unserer Zivilisation aber eventuell als plausibel herausstellen.

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