Probleme und ungelöste Fragen

Gegenwärtig ist Transmutation noch ein Forschungsfeld, dessen Resultate nicht vorhersehbar sind. Optimisten hoffen, sie könnte sich in wenigen Jahrzehnten als praktikabel herausstellen. Pessimisten denken, sie wird wie manch andere Entwicklung in der Kerntechnik letztlich an hohen Kosten oder Materialproblemen scheitern. Vielleicht ist Transmutation auch eine Technologie für kommende Jahrhunderte mit fortschrittlicher Kerntechnik und Materialkunde.

Ein Grund, warum Transmutation skeptisch betrachtet wird, liegt darin, dass bei der nötigen Aufbereitung des Atommülls die Gefahr besteht, dass hochradioaktive Stoffe freigesetzt werden. Die Technik besitzt auch Nähe zu militärischer Anwendbarkeit. Es gibt andererseits unterschiedliche Ansätze, die heute zum Teil nur auf dem Papier existieren.

Außerdem bergen die heutigen Transmutationskonzepte bauartbedingte Sicherheitsrisiken. Transmutationsreaktoren laufen bei hohen Temperaturen und benötigen flüssiges Metall als Kühlmittel. Im Fall eines Lecks kann dies zu erheblichen Problemen führen. Manche Konzepte sehen deshalb eine Gaskühlung vor. Transmutationsreaktoren können aber wie gewöhnliche Kernreaktoren Strom erzeugen, auch wenn dies nicht ihre Hauptaufgabe ist. Sie sind dafür optimiert, mehr langlebige Radionuklide zu verbrennen als zu erzeugen. Bei gewöhnlichen Kernkraftwerken ist dies genau umgekehrt.

Ein grundsätzliches Problem bei der Transmutation ist, dass bei ihr nur bestimmte Klassen von Elementen transmutiert werden. Es verbleiben etliche Elemente, die immer noch langlebig sind. Die Transmutation eignet sich vor allem zur Beseitigung schwerer Elemente (wie die sogenannten minoren Aktiniden). Mit heutiger Technik lassen sich aber einige leichtere und ebenfalls sehr langlebige Stoffe nicht oder nur schlecht transmutieren. Hierzu gehören etwa Jod-129, Chlor-36 und eine Reihe weiterer Radionuklide. Diese sind leichtflüchtiger und löslicher als die schweren Elemente. Wird ein Endlager undicht, würden diese vergleichsweise zügig an die Oberfläche gelangen und immer noch eine deutliche Strahlenbelastung verursachen. Für diese Elemente müsste eine andere Lösung gefunden werden.

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