Die gefährlichsten radioaktiven Substanzen

Es gibt eine Vielzahl radioaktiver Substanzen. Einige verbreiten sich bei Unglücken aber besonders schnell oder werden vom Körper bevorzugt aufgenommen. Zu den bekanntesten Gefahrstoffen zählen die Radionuklide Jod-131, Strontium-90, Cäsium-137 und Plutonium-239. Aber auch zahlreiche weitere radioaktive Substanzen mit jeweils eigenem Gefährdungspotenzial sind im Atommüll enthalten.

Jod-131 ist leicht flüchtig und kann sich schnell über große Gebiete ausbreiten. Aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit von nur acht Tagen ist es nach wenigen Monaten praktisch vollständig zerfallen. In dieser Zeit kann es aufgrund seiner starken Radioaktivität aber große Schäden anrichten. Jod-131 reichert sich in Pflanzen und Milchprodukten an. Einmal in den Körper aufgenommen, lagert es sich in der Schilddrüse an, wo es zur Entstehung von Schilddrüsenkrebs führen kann. Nach Tschernobyl führte dies zu mehreren Tausend Fällen dieser Krankheit. Glücklicherweise ist diese Krebsart sehr gut therapierbar. Die Aufnahme von Jod-131 lässt sich durch die Einnahme von Jodtabletten verringern. Ist die Schilddrüse bereits mit normalem Jod übersättigt, scheidet der Körper weiteres Jod einfach wieder aus. Es wird aber abgeraten, solche Jodtabletten ohne akute Gefährdung einzunehmen, da sie das Risiko von Schilddrüsenerkrankungen erhöhen können.

Wenige Kilo an hochreinem Plutonium wie in diesem Ring reichen für den Bau einer Atombombe. (Bild: Los Alamos National Laboratory)

Cäsium-137 ist ebenfalls leicht flüchtig. Aufgrund seiner mittellangen Halbwertszeit von 30 Jahren kann es Landstriche über Jahrhunderte kontaminieren. Es reichert sich in einigen Pilzsorten an. Auch Rot- und Schwarzwild ist von Cäsium stark betroffen, da es sich vor allem in Waldböden hartnäckig hält und ständig über die Blätter und Nadeln von Bäumen wieder nach oben transportiert wird.

Strontium-90hat ebenfalls eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Es ist weniger flüchtig als Jod oder Cäsium und wird bei Reaktorkatastrophen deshalb nicht so weitflächig verteilt. Einmal in den Körper aufgenommen, wird es vom Organismus mit dem chemisch ähnlichen Kalzium verwechselt und ins Knochenmark eingebaut, wo es zu Tumoren oder Leukämie führen kann. Strontium-90 gehört zu den gefährlichsten Rückständen von Atombombenexplosionen.

Plutonium-239 ist nur schwer flüchtig und besitzt eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren. Es fällt in großen Mengen in Kernreaktoren und bei der Produktion bzw. Abrüstung von Atombomben an. Es ist nicht nur stark radioaktiv, sondern auch ein chemisch toxisches Schwermetall. Plutonium-239 eignet sich hervorragend zum Bau von Atombomben, sollte hierzu allerdings in möglichst hoher Reinheit vorliegen. Nennenswerte Verunreinigungen mit anderen Stoffe oder Plutoniumisotopen setzen die Waffentauglichkeit stark herab. Zum Glück wird Plutonium vom Körper schlecht aufgenommen und schnell wieder ausgeschieden. Der aufgenommene Rest verbleibt jedoch lange Zeit im Körper. Schon wenige Milligramm führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Krebs in Lunge, Lymphknoten oder Leber.

Die Lagerung von Plutonium ist aus mehreren Gründen besonders problematisch. Denn einerseits sorgt die hohe Halbwertszeit dafür, dass die Zeiträume einer Lagerung jegliches vorstellbare Maß übersteigen. Plutonium muss für mehrere Hunderttausende Jahre von der Biosphäre abgeschlossen bleiben. Hinzu kommt, dass es möglichst nie Terrorgruppen, Erpressern oder fragwürdigen politischen Gruppierungen in die Hände fallen sollte.

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